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Emden,
den 16.07.07
Die erste globale Spekulationsblase?
Genau das vermutet
Jeremy Grantham, ein legendärer Value-Investor und Chef von GMO, einer
global agierenden Investmentfirma mit 150 Mrd. USD verwaltetem Vermögen,
der viele Prominente ihr Geld anvertrauen, unter anderem US-Vize-Präsident
Dick Cheney. Grantham ist für seinen systematischen Value-Ansatz bekannt
und hat Verschiedenes dazu veröffentlicht.
Vor einigen Jahren hatten Grantham und Kollegen in mühevoller Kleinarbeit
alle Aktien-, Renten-, Rohstoff- und Währungsmärkte der Welt nach
Spekulationsblasen in der Vergangenheit durchforstet. Sie wollten
herausfinden, was solche Blasen charakterisiert, wie sie entstehen und wie
sie sich auflösen.
Als Spekulationsblase definierten sie jedes Ereignis das höchstens einmal
in 40 Jahres auftritt und bei dem die Kurssteigerungen mehr als 2
Standardabweichungen über den statistischen Mittelwerten liegen. Insgesamt
konnten sie 28 solche Blasen identifizieren. Sie fanden heraus, dass all
diese Blasen zwei Voraussetzungen hatten: exzellente Fundamentaldaten und
leicht verfügbares Geld.
Wann immer diese beiden Bedingungen auftraten, erweckten sie den Eindruck
eines perfekten ökonomischen Umfeldes und gestatteten es den Investoren mit
Hilfe von Krediten Ihren Spekulationsdrang voll auszuleben. Es kommt zu
einem sich selbst verstärkenden Effekt: je mehr Risiko man eingeht, desto
erfolgreicher ist man, und je erfolgreicher man ist, desto mehr Risiko ist
man bereit, einzugehen. Dazu kommt ein aus den Kurssteigerungen
resultierender Optimismus, der jeden ansteckt und mitreißt.
Alle Spekulationsblasen hatten aber auch eine weitere Eigenschaft
gemeinsam: alle 28 fielen zurück auf den normalen langfristigen Trend, es
gab keine Ausnahmen und es wurde nie eine neue Ära eingeleitet. Grantham fand
nicht eine einzige Abweichung von dieser Regel, sämtliche Blasen
korrigierten zurück auf Ihre Langfristtrends.
Zur aktuellen Situation und unter dem Eindruck einer sechswöchigen
Weltreise schreibt Grantham in seinem Newsletter: „Von indischen Antiquitäten,
über chinesische Gegenwartskunst, ob Grundstücke in Panama, ob Wälder, ob
Infrastruktur, von Junk-Bonds bis hin zu den blausten Blue-Chips, alles
befindet sich in einer Spekulationsblase.“ Die Argumente, die diese
Kurssteigerungen begleiten, sind bekannt: „neues Land kann nicht produziert
werden“, „mit diesen Wachstumsraten und den niedrigen Zinsen müssen die
Aktienmärkte einfach steigen“, „Private-Equity-Investoren werden die Märkte
weiterhin nach oben treiben“ usw. Sie sind allerdings nicht neu, vergangene
Blasen hatten zum Teil exakt die gleichen Argumente.
Das neue an dieser Spekulationsblase ist, dass es sich erstmals um eine
wirklich globale, nahezu alle Assetklassen umfassende Blase handelt. Sie
ist offensichtlich eine Begleiterscheinung der allgemeinen Globalisierung.
Es steht zu erwarten, dass das Platzen dieser Blase ebenfalls ein globales
Ereignis sein wird, d.h. alle Märkte und Assetklassen werden daran
beteiligt sein.
Genau diese Gefahr ist
es, die private Investoren wie auch erfahrene Wertpapiermanager auf die
Probe stellt und auch Auswirkungen auf jede Vermögensverwaltung haben muss,
die implizite Marktrisiken miteinbezieht. Weil kaum noch etwas wirklich
günstig ist, herrscht praktisch Anlagenotstand. Andererseits ist der Druck
da, auf den gegenwärtigen positiven Trends zumindest teilweise
mitzuschwimmen. Zumal Spekulationsblasen über sehr lange Zeiträume
fortbestehen können und in dieser Zeit deutliche Kursgewinne nach sich
ziehen (man denke nur an die Neuen-Markt-Zeiten).
Auch Grantham ist der Meinung, dass wir möglicherweise noch ein Stück vom
Ende der aktuellen Blase entfernt sind. Fast immer haben nämlich die von
ihm ausgemachten Blasen in einer exponentiellen Phase starker
Übertreibungen geendet. Eine solche Phase haben wir bei der aktuellen
globalen Blase noch nicht gesehen (außer vielleicht in kleinen
Teilbereichen, wie dem US-Immobiliensektor oder aktuell im lokalen
chinesischen Aktienmarkt).
Natürlich stellt sich damit die Frage, ob man fundamentale Kriterien
zurzeit eher außen vor lassen sollte und alles auf technischen Signalen
aufbaut. Die allermeisten Anleger denken, dass sie eine Trendwende schon
erkennen und rechtzeitig agieren werden. Das ist eine Illusion und hier
besteht eine reale Gefahr! Der Markt hat die unwiderstehliche Fähigkeit,
die Mehrzahl der Marktteilnehmer in einem falschen Glauben zu halten. Auch
diesmal wird das so sein. Vielleicht dadurch, dass die Aufwärtsbewegung
nicht in einer Schlusseuphorie endet, vielleicht aber auch dadurch, dass
diese Blase viel weiter und länger läuft, als jeder jetzt ahnen kann. Ein
Hinweis darauf sind die aktuellen Sentimentindikatoren, die sehr viel
Pessimismus im Markt anzeigen. Auf dieser Basis kann der Markt unter viel
Angst in kleinen Schritten weiter nach oben laufen.
(Ein
Kommentar von einem namhaften Vermögensverwalter zum Thema
Spekulationsblase)
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